Maßnahmenpakete

Maßnahmenpakete: in welcher Reihenfolge saniert wird

Ein Sanierungsfahrplan fasst Maßnahmen zu Paketen zusammen und bringt sie in eine Reihenfolge, die bauphysikalisch und anlagentechnisch zusammenpasst. Diese Seite erklärt die Regeln dahinter, eine typische Paketfolge, die Schnittstellen zwischen den Gewerken und was gilt, wenn Sie vom Fahrplan abweichen.

Inhaltsverzeichnis
  1. 01Was ein Paket ist
  2. 02Regeln der Reihenfolge
  3. 03Typische Paketfolge
  4. 04Schnittstellen der Gewerke
  5. 05Lüftung nach der Dämmung
  6. 06Das Heizungspaket
  7. 07Pakete und Förderung
  8. 08Vom Fahrplan abweichen
  9. 09Häufige Fragen
01 Begriff

Was ein Maßnahmenpaket im Sanierungsfahrplan ist

Im iSFP heißt jeder Sanierungsschritt Einzelmaßnahme oder Maßnahmenpaket. Ein Paket fasst Arbeiten zusammen, die technisch zusammengehören oder sinnvoll gleichzeitig ausgeführt werden, etwa Fassadendämmung und Fenstertausch. Für jeden Schritt schlägt der Berater einen Zeitraum oder einen geeigneten Anlass vor, zum Beispiel die Kopplung mit einer ohnehin fälligen Instandsetzung (Nr. 1.1 Merkblatt).

Die Pakete bauen aufeinander auf. Die Werte für Bedarf, Emissionen und Kosten nach jedem Schritt enthalten nach Angaben des BAFA immer auch die Einsparungen aller vorherigen Schritte. Die Reihenfolge ist deshalb kein Detail: Sie bestimmt, wie groß die Heizung sein muss, wo Feuchte entstehen kann und welche Arbeiten man später doppelt bezahlt.

Der Fahrplan muss die Schritte nach den Hinweisen des BAFA bauphysikalisch und anlagentechnisch aufeinander abstimmen, um Bauschäden und zu große Heizanlagen zu vermeiden. Was der Fahrplan sonst enthält, erklärt die Startseite.

02 Regeln

Regeln für die Reihenfolge

  1. 01
    Bedarf senken, dann decken

    Schon die Präambel der EBW Richtlinie nennt den Grundsatz "Efficiency First". Eine gedämmte Hülle senkt die Heizlast; erst danach lässt sich die neue Heizung passend auslegen.

  2. 02
    Von außen nach innen und von oben nach unten

    Dach und oberste Geschossdecke sind oft der erste Schritt, weil hier häufig eine Nachrüstpflicht besteht und die Arbeiten die Nutzung wenig stören.

  3. 03
    Was aneinander grenzt, gemeinsam planen

    Fenster und Fassade, Dach und Wand haben gemeinsame Anschlüsse. Werden sie getrennt ausgeführt, muss der erste Schritt den zweiten schon vorbereiten.

  4. 04
    Anlässe nutzen

    Ein neuer Putz, eine neue Dacheindeckung oder ein Ausfall der Heizung bestimmen den Zeitpunkt oft stärker als die Theorie. Der Fahrplan ordnet die Pakete diesen Anlässen zu.

Regel 1 hat eine wichtige Ausnahme: Fällt die Heizung aus, kommt sie zuerst. Die EBW Richtlinie verlangt ausdrücklich, dass die Beratung auf einen erforderlichen Heizungstausch hinwirkt (Nr. 3 EBW). Dann wird die neue Anlage für den künftigen, gedämmten Zustand geplant und nicht für den heutigen.

03 Paketfolge

Eine typische Paketfolge für ein unsaniertes Haus

Die folgende Folge ist ein Muster, keine Vorgabe. Ihr Fahrplan kann aus guten Gründen anders aussehen, etwa wenn die Fenster bereits erneuert sind oder das Dach erst in zehn Jahren fällig ist.

Muster einer Paketfolge im iSFP
PaketInhalttypischer Anlassbereitet vor für
1 DachDämmung von Dach oder oberster Geschossdecke, Dachflächenfenster, luftdichte EbeneNachrüstpflicht, Neueindeckung, Ausbau des DachgeschossesDachüberstand für die spätere Fassadendämmung
2 Fassade und FensterAußenwanddämmung, Fenster und Außentüren in der Dämmebeneneuer Putz, FensteraustauschLüftungskonzept, geringere Heizlast
3 KellerDämmung der Kellerdecke oder der Bodenplattejederzeit, oft als kleines Paketvollständig geschlossene Hülle
4 LüftungLüftungskonzept, gegebenenfalls Anlage mit Wärmerückgewinnungnach Paket 2Feuchteschutz, geringere Lüftungsverluste
5 Heizungneuer Wärmeerzeuger, angepasste Heizflächen, hydraulischer Abgleichnach der Hülle oder bei Ausfallniedrige Vorlauftemperaturen
6 ErgänzungPhotovoltaik, Speicher, digitale Regelungnach der Dachsanierunghöherer Anteil eigener Energie

Pakete, die sich nicht berühren, etwa die Kellerdecke, lassen sich flexibel einschieben. Für jedes Bauteil, das die gesetzlichen Anforderungen an den U Wert nicht erfüllt, muss der Fahrplan einen Vorschlag enthalten; für die Anlagentechnik ist ein Vorschlag nötig, wenn sie älter als zehn Jahre ist (Anm. zu Nr. 1.1.1 und 1.1.2 Merkblatt).Wie das an einem Beispielgebäude mit Zahlen aussieht, zeigt die Seite Beispiel iSFP.

04 Schnittstellen

Schnittstellen zwischen den Paketen

Die meisten Bauschäden nach einer Sanierung entstehen an den Übergängen zwischen Bauteilen. Diese Stellen sollte der Fahrplan für jedes Paket mitdenken:

Kritische Übergänge bei schrittweiser Sanierung
ÜbergangRisiko bei getrennter Ausführungwas hilft
Fenster und Außenwandneue Fenster in ungedämmter Wand verlagern die kälteste Stelle an die LaibungFenster gleich mit der Fassade tauschen oder Einbaulage für die spätere Dämmung vorbereiten
Dach und Außenwandzu kurzer Dachüberstand für die spätere Dämmstärke, Wärmebrücke an der TraufeÜberstand und Anschluss beim Dachpaket festlegen
Luftdichte EbeneLücken zwischen Dach, Wand und Fenster, Feuchte in der Konstruktiondurchgehende Planung, Luftdichtheitsmessung
Hülle und Lüftunggeringerer Luftwechsel nach dem Fenstertausch, SchimmelLüftungskonzept vor oder mit Paket 2
Hülle und Heizungzu große Anlage, Taktbetrieb, ineffiziente WärmepumpeHeizlast für den Zielzustand berechnen

Zur Luftdichtheit und zu den Grenzwerten nach § 26 GModG informiert waermeschutz-nachweis24.de. Wärmebrücken und unkontrollierte Lüftungsverluste gehören nach dem Merkblatt ausdrücklich zu den Maßnahmen, die der iSFP beschreiben muss (Nr. 1.4.1).

05 Lüftung

Lüftung: der Schritt, der oft vergessen wird

Nach Arbeiten an der Hülle muss der iSFP auf ein notwendiges Lüftungskonzept hinweisen (Nr. 1.4.7 Merkblatt). Erstellt wird das Konzept gesondert, in der Regel nach DIN 1946-6. Es klärt, ob Lüften durch Fenster genügt oder lüftungstechnische Maßnahmen nötig sind, etwa einzelne Geräte oder eine zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung.

In der Paketfolge gehört das Konzept deshalb nicht ans Ende, sondern vor oder zu dem Paket, das die Hülle dichter macht. Eine Lüftungsanlage selbst wird in der BEG EM als Anlagentechnik nach Nr. 5.2 gefördert und fällt unter dieselbe Höchstgrenze wie die Hülle. Wie Lüftungskonzept und Sanierungsfahrplan zusammenspielen, erklärt lueftungskonzept24.de.

06 Heizung

Das Heizungspaket: Heizlast, Heizflächen, Abgleich

Für das Heizungspaket ist die Heizlast die wichtigste Größe. Sie wird raumweise nach DIN EN 12831 berechnet und hängt direkt vom Zustand der Hülle ab. Wer die Heizung nach den Paketen 1 und 2 plant, kann eine kleinere Anlage wählen. Muss sie früher kommen, sollte die Berechnung den Zielzustand nach dem Fahrplan berücksichtigen. Hinweise zur Heizlast im Altbau gibt heizlastberechnung-online24.de.

  • Heizflächen: Größere Heizkörper oder eine Flächenheizung erlauben niedrigere Vorlauftemperaturen. Das ist vor allem für eine Wärmepumpe wichtig.
  • Hydraulischer Abgleich: Nach jeder größeren Änderung an Hülle oder Heizflächen passen die alten Einstellungen nicht mehr. In der BEG EM wird der Abgleich als Heizungsoptimierung nach Verfahren B gefördert; mehr bei heizungsoptimierung24.de.
  • Wahl des Wärmeerzeugers: Seit dem 29. Juli 2026 gibt es keine Pflicht zu 65 Prozent erneuerbarer Wärme mehr. Neue Gas und Ölheizungen unterliegen aber ab 2029 steigenden Anteilen biogener Brennstoffe (§ 43 GModG). Gefördert werden in der BEG EM nur Anlagen nach Nr. 5.3, Gas und Ölkessel nicht.

Hinweis zum Fahrplan: Das Merkblatt des BAFA vom 8. Januar 2024 verlangt im Sanierungskonzept noch einen Vorschlag mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien (Nr. 1.4.2). Seit dem 7. Oktober 2026 berücksichtigt die Druckapplikation in der Version 2.7.x die Änderungen des GModG. Was sich daraus für die Inhalte neuer Fahrpläne ergibt, sollten Sie mit dem Berater besprechen.

07 Förderung

Pakete und Förderung: was Sie bei der Planung beachten

Förderung je Paket in der BEG EM, Richtlinie vom 17.07.2026
PaketProgrammteilFördersatziSFP Bonus
Dach, Fassade, Fenster, KellerGebäudehülle, Nr. 5.115 %5 Prozentpunkte
Lüftung, digitale RegelungAnlagentechnik, Nr. 5.215 %5 Prozentpunkte
Abgleich, Pumpe, HeizflächenHeizungsoptimierung, Nr. 5.415 %5 Prozentpunkte
WärmeerzeugerHeizung, Nr. 5.3, Antrag bei der KfWGrundförderung und Bonikein Bonus

Hülle, Anlagentechnik und Heizungsoptimierung teilen sich eine Höchstgrenze je Kalenderjahr: 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, mit iSFP 60.000 Euro. Wer große Pakete auf zwei Kalenderjahre verteilt, kann die Grenze zweimal nutzen. Für die Heizung gilt eine eigene Grenze. Jedes Paket braucht einen eigenen Antrag vor Vorhabenbeginn und einen Bewilligungszeitraum, in dem es abgeschlossen wird.Wie sich die Verteilung auf mehrere Jahre rechnet, zeigt die Seite iSFP Bonus.Alle Programme beschreibt die Seite Förderung.

08 Abweichungen

Was gilt, wenn Sie vom Fahrplan abweichen

Sie sind nicht an den Fahrplan gebunden. Für den iSFP Bonus prüft der Energieeffizienz Experte beim Antrag, ob die Maßnahme dem Fahrplan entspricht. Nach Nr. 9.2.4 BEG EM sind dabei unschädlich:

  • unwesentliche inhaltliche Abweichungen,
  • eine Übererfüllung der Vorgaben, etwa eine stärkere Dämmung,
  • Änderungen der zeitlichen Reihenfolge der Pakete.

Eine wesentliche Untererfüllung führt dagegen dazu, dass die Maßnahme nicht als iSFP Maßnahme gilt. Erreicht eine Fassadendämmung nur die Anforderungen der BEG EM statt des im Fahrplan genannten U Werts, wird der Bonus nach Angaben des BAFA trotzdem gewährt. Statt der Dachschrägen die oberste Geschossdecke zu dämmen, ist bonusfähig, wenn der Fahrplan diese Alternative mit Dämmstärke, Wärmeleitstufe und U Wert beschreibt. Lassen Sie solche Alternativen deshalb gleich bei der Erstellung aufnehmen.Wie die Erstellung abläuft, steht auf der Seite Ablauf.

09 FAQ

Häufige Fragen zu Maßnahmenpaketen

Was saniert man zuerst, Dach oder Heizung?

In der Regel zuerst die Hülle, oft beginnend mit Dach oder oberster Geschossdecke, weil eine gedämmte Hülle die Heizlast senkt und die neue Heizung kleiner ausfallen kann. Fällt die Heizung vorher aus, wird sie zuerst erneuert, aber für den späteren gedämmten Zustand geplant.

Sollte man Fenster und Fassade zusammen erneuern?

Wenn möglich ja, weil beide einen gemeinsamen Anschluss haben. Werden die Fenster vorher getauscht, sollte ihre Einbaulage die spätere Dämmung bereits berücksichtigen, damit an der Laibung keine kalte Stelle entsteht.

Muss ich die Reihenfolge aus dem iSFP einhalten?

Nein. Nach Nr. 9.2.4 BEG EM sind Änderungen der zeitlichen Reihenfolge für den iSFP Bonus unschädlich. Entscheidend ist, dass die Maßnahme inhaltlich dem Fahrplan entspricht und die technischen Mindestanforderungen erfüllt.

Wann brauche ich ein Lüftungskonzept?

Nach Arbeiten an der Hülle muss der iSFP auf ein notwendiges Lüftungskonzept hinweisen. Sinnvoll ist es vor oder zusammen mit dem Fenstertausch, weil dann der ungewollte Luftwechsel sinkt.

Wie viele Pakete hat ein Sanierungsfahrplan?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Sie hängt vom Zustand des Gebäudes ab. Für jedes Bauteil, das die gesetzlichen U Werte nicht einhält, und für Anlagentechnik, die älter als zehn Jahre ist, muss der Fahrplan einen Vorschlag enthalten.

Kann ich mehrere Pakete in einem Jahr umsetzen?

Ja. Für Hülle, Anlagentechnik und Heizungsoptimierung gilt dann aber eine gemeinsame Höchstgrenze der förderfähigen Ausgaben je Kalenderjahr. Wer die Pakete auf zwei Jahre verteilt, kann die Grenze zweimal nutzen.

Stand: Oktober 2026. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.